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Silberjubiläum der Internationalen Ärztegesellschaft für funktionelle Proteomik

1994 kam die funktionelle Proteomik nach C.E.I.A. über den Rhein. Dr. Helmut Sauer ist es zu verdanken, dass das „bilan protéomique fonctionelle“ auch in Deutschland anlässlich der Medizinischen Woche Baden-Baden vorgestellt wurde. Damals wurde die Deutsche Gesellschaft für Biologische Medizin und Informatik (DGBMI) gegründet, die als Internationale Ärztegesellschaft für funktionelle Proteomik jetzt seit 25 Jahre besteht. Das ist uns Anlass für eine besondere Tagung am Freitag, den 1. November 2019 im Kongresshaus Baden-Baden.

Wir haben zwei Schwerpunktthemen gesetzt: LYME-Borreliose und INFLAMM-Aging.

Die Tagung beginnt mit einem Weckruf von Valérie Obsomer:

Werden zeckenübertragende Erkrankungen die Epidemie der Zukunft sein? Welche Maßnahmen können diese Entwicklung aufhalten?

Wer ist Dr. rer. nat Valérie Obsomer?

Sie ist Leiterin der Forschungsinitiative TEKENTIQUES zur Bekämpfung von Zecken und der von ihnen übertragenen anderen Krankheiten. Seit 2017 hat sie eine öffentliche Umfrage zu Zeckenbissen und den damit verbundenen Symptomen gestartet. Außerdem koordiniert sie über CHRONIMED BENELUX eine Gruppe von 50 Allgemeinärzten und anderen Medizinern, die sich mit chronischer Borreliose befassen.

Sie hat in einer Tagung mit Experten 2016 einen flammenden Appel an belgische Politiker gerichtet:

  1. Alle derzeit verfügbaren Screening-Tests sind unzuverlässig. Von behördlicher Seite muss eine verbesserte Diagnostik angestoßen und an die Ärzte weitergegeben werden.
  2. Tierärzte sind bestens ausgebildet und informiert. Humanmedizinische Standesorganisationen dagegen verharmlosen diese Erkrankung immer noch, argumentieren gegen eine Diagnostik und die notwendige Langzeitbehandlung. Oft werden Patienten mit einer Borreliose noch als „krank im Kopf“ bezeichnet.
  3. Es müssen Studien auf den Weg gebracht werden, welche die beste Langzeitbehandlung unter Einbeziehung aller Bereiche (Antibiotika, Phytotherapie und Nahrungsergänzungsmittel) erforschen.
  4. Es ist dringend erforderlich, dass die Information für die Öffentlichkeit und besonders für Betroffene verbessert wird. Außerdem muss die Ausbildung für Ärzte, Medizinstudenten, andere in Gesundheitsberufen Tätige sowie für Krankenkassenvertreter, Umweltexperten vertieft und besser koordiniert werden.

Nach diesen dramatischen Darstellung stellt sich natürlich die Frage, wie die Entwicklung aufzuhalten wäre. Durch eine verbesserte und frühzeitige Diagnostik zum Beispiel. Aber gerade da liegt das Problem: die Biologie der Spirochäten macht den Labortechniken Erfassung und Bewertung schwer.

Wir haben dazu einen ausgewiesenen Experten eingeladen: Dr. Lionel Chapy.

Wer ist Dr. rer.nat. Lionel Chapy?

Er ist ein international bekannter Wissenschaftler, der sich im Bereich der Immunologie mit der Durchflusszytometrie, der Lymphozytentypisierung, einen Namen gemacht hat. Im Rahmen seiner Tätigkeit für ein europaweites Laborsystem ist er auf der Suche nach einem perfekten Test für Lyme/Borreliose –  Erkrankung nach Zeckenbiss -, ein Test, der empfindlich und spezifisch genug ist, um keine falsch negativen oder falsch positiven Ergebnisse zu liefern.

Immundiagnostik bei zeckenübertragenen Krankheiten

Bis heute existiert ein solcher Test (noch?) nicht. Üblicherweise werden die zirkulierenden Antikörper durch einen Immunochemilumineszenztest erfasst (die Abkürzung „CLIA“ ist deutlich leichter auszusprechen). Er trägt jedoch nichts zur Frage bei, wie akut die Erkrankung ist. Die Immuno-Blot-Technik kann schon spezifischer zwischen IgG und IgM bei 5 Arten von Borrelien-Antigen unterscheiden. Dr. Lionel Chapy wird in seinem Vortrag weitere Testverfahren vorstellen und bewerten und vor allem auf den wichtigen Aspekt der Diagnose von Ko-Infektionen eingehen.

Das Konferenzthema Lyme/Borreliose wird durch einen praktischen Vortrag von mir abgeschlossen:

Proteomis-Profil bei Erkrankungen durch Borrelien

Ich arbeite als hausärztliche Internistin. Mit meiner konventionell-universitären Ausbildung und meinem über Jahre erworbenen Wissen aus dem Bereich der Komplementärmedizin kann ich meine Patienten integrativ behandeln, d.h. je nach Krankheitsbild und Situation aus beiden medizinischen Kompetenzen heraus Diagnosen oder Therapieentscheidungen treffen. Dabei ist die funktionelle Proteomik ein wesentlicher Baustein. Das Wichtigste ist für mich, Ihnen, als Anwendern der CEIA-Methode, den unglaublichen Nutzen dieses Verfahrens für Ihre tägliche Arbeit am Patienten immer aufs Neue nahe zu bringen. Inzwischen rücken zunehmend auch Borreliose-Patienten in den Fokus. Denn hier stehen wir angesichts der zunehmenden Inzidenz vor einer unglaublichen Herausforderung: Zunächst, um eine chronische Infektion und insbesondere ihre Aktivierung zu verhindern. Gelingt das nicht, gilt es, Patienten zu helfen, die vielgestaltig und zum Teil schwer erkrankt sind, ohne dabei allerdings „das Kind mit dem Bade auszuschütten“. Hier ist das Proteomis-Profil mein wichtigstes Werkzeug. Es erfasst die Pathophysiologie des Patienten auf mehreren Systemebenen und gibt so eine unverzichtbare diagnostische und therapeutische Orientierung.

In meinem Vortrag werde ich eine Serie von Patienten in unterschiedlichen Zeitabschnitten nach einem Zeckenbiss mit dem Proteomis-Profil präsentieren und meine Erfahrungen mit einer sehr hilfreichen Therapieoption darstellen.

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1984 hat Dr. Helmut Sauer die Methode der funktionellen Proteomik auf der Medizinischen Woche Baden-Baden verankert, ihm verdanken wir es, dass hunderte von deutschen Ärzten und Therapeuten seit 25 Jahren auf das Proteomis-Profil, das bei Einführung noch „biodynamisches Eiweißprofil“ hieß, zugreifen können.

Langzeitbeobachtungen und Verläufe bei chronischen Entzündungen im Proteomis-Profil

Mit diesem Vortrag von Dr. Sauer  eröffnen wir nach der Pause das Thema Inflamm-AGING: Dr. Sauer wird Langzeitbeobachtungen im Verlauf von bis zu 20 Jahren mit dem Proteomis-Profil präsentieren und dabei folgende Fragen beantworten: Wie verhält sich das Proteomis-Profil im Alter? Welche Profilkonstellationen treten auf, welche klinischen Zusammenhänge finden sich und welche Therapieoptionen leiten sich daraus ab? Insbesondere stellt sich die Frage nach der Gewichtung von entzündlich veränderten Profilen (Hypergrün) im Alter. Lauter hoch spannende Fragen für jeden von uns, die wir es mit zwar immer älteren, dabei jedoch nicht gesünderen Patienten zu tun haben.

Inflammation-mediated Aging, Reverse-Aging

Wir möchten alle alt werden, aber nicht alt sein – und wenn schon alt, dann bitte gesund. Die Realität sieht nicht ermutigend aus: Inzwischen sinkt die Lebenserwartung wieder, während die Zahl der Erkrankungen nicht nur im Alter kräftig ansteigt.

Die Suche nach dem „Jungbrunnen“ führt automatisch zur Klärung der Frage nach den Mechanismen von Alterungsprozessen.

Prof. Fred Fändrich, Direktor der Klinik für angewandte Zelltherapie am Universitätsklinikum Kiel, referiert in seinem Vortrag, dass chronische Entzündungsreaktionen Auswirkungen auf die Stammzellfunktion haben, aus deren Folge immunpathologische Mechanismen entstehen, die sowohl zu Alterung als auch zur Entstehung maligner Erkrankungen führen. Aus dieser Perspektive ist der Kampf gegen Krebs auch ein Kampf gegen das Alter und umgekehrt.

Prof. Fändrich ist eine Koryphäe im Bereich der Immunologie und Zelltherapie und ein faszinierendes Beispiel für einen Wissenschaftler, der sehr früh den Nutzen der systemisch-ganzheitlichen Denk- und Arbeitsweise vieler komplementärmedizinischer Verfahren erkannt hat und sie in seine Diagnose- und Therapiekonzepte integriert.

INFLAMM-AGING – Das Entzündungsaltern

Seit Jahren entwickelt sich zwischen der funktionellen Proteomik und der Mikroimmuntherapie ein enger Erfahrungsaustausch zu komplementärmedizinischer Diagnostik und Therapie. Die Mikroimmuntherapie setzt bekannte Moleküle und Signalwege des Immunsystems in nicht toxischer Dosierung ein, um eine Persistenz bakterieller, viraler oder parasitärer Erreger zu verringern und damit das sogenannte Immunaltern positiv zu beeinflussen.

Gunter Schlegel, niedergelassener Arzt und erfahrener Referent der Mikroimmuntherapie, wird in seinem Vortrag das Entzündungsaltern aus Sicht der Mikroimmuntherapie darstellen und wichtige therapeutische Hinweise geben. Er gehört zu einer Generation der Komplementärmediziner, die sich in den letzten Jahren durch ihr breitaufgestelltes Wissen in vielen Bereichen einen Namen gemacht hat. Er ist auch ein Beispiel dafür, dass ein fundiertes naturheilkundliches Wissen, in seinem Fall mit einer abgeschlossenen Heilpraktikerausbildung vor dem Medizinstudium, eine unglaubliche Bereicherung ist, für ihn, für seine Patienten und für uns, die wir von seinem Wissen profitieren können. Da er obendrein für seine anregenden Vorträge bekannt ist, sollten Sie diesen keinesfalls verpassen!

Chronische Entzündung im Alter: Erfolg und Heilhindernisse der proteomischen Behandlung

Zu jeden Vortragsteil wurden die Referenten und ihre Hintergründe vorgestellt. Jetzt bleibt  nur noch, Sus Herbosch vorzustellen… Aber wer kennt ihn nicht?

Ich habe Ihn Anfang der 2000er Jahre in Kursen in Mannheim kennengelernt. Seine Begeisterung und Intensität haben mich sofort angesteckt. Er ist nicht nur ein hervorragender Arzt, ein nimmermüder Geist, auf der Suche nach Neuem, sondern auch ein ganz besonderer Musiker. Ohne ihn hätte es manche Entwicklungen in der CEIA-Methode nicht gegeben: Die Typologien, die Elixiere, die Indizes. Er hat auf die wichtige Bedeutung der endokrin modulierten Immunglobulin-Tests hingewiesen und vor allem in jahrelangen eigenen Forschungen die essenzielle Bedeutung der HDL- und LDL-bezogenen Lipoproteintests für uns entdeckt.

Sus Herbosch wird an diesem Nachmittag das Schlusswort haben: Das Proteomis-Profil ist ein sensibler Marker für chronische Entzündungen, also auch für Inflamm-Aging, es deckt eine Vielzahl von Ätiologien auf und bietet gleichzeitig Empfehlungen für eine individuelle Therapie.

Ich freue mich auf unsere Jubiläumsveranstaltung

am 1. November 2019 in Baden-Baden, Kongresshaus, Sitzungsraum 7/8 im 2. OG von 13:00 bis 19:00.

Anmeldungen entweder direkt an mich:

s. fischer@dr-sabine-fischer.de oder

über www.medwoche.de

 

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