40 Jahre C.E.I.A.

40 Jahre CEIA
40 Jahre bilan protéomique fonctionnel
40 Jahre funktionelles Eiweißprofil

Am 12. März 1971 gründen Jean Paquelet, André Martin, Pol Henry und Eric Reymond in Lyon das Biotechnologie-Unternehmen C.E.I.A. S.A. (Centre Européen d’Informatique et d’Automation). Das Unternehmen erstellt Eiweißprofile, die verlässliche Aussagen über die Gesundheit oder Krankheit eines Menschen und personalisierte Therapieempfehlungen ergeben, indem es Serumproben über 40 verschiedenen Reagenzien aussetzt und die Trübung misst. Die C.E.I.A.-Methode ist beim Institut National de la Protection Industrielle in Paris angemeldet. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über Herkunft und Entwicklung der Methode.

Es begann mit einer Panne

Ein kalter Tag im Winter 1950. Über glatten Straßen, wie sie Lyon selten erlebt, verdämmert das letzte Licht im Nebel, als der Medizinstudent Eric Reymond, müde von der Teilnahme an einer Leichenschau, das Krankenhaus Antiquaille verlässt. Am Straßenrand schemenhaft ein Delahaye. Dass der Mittdreißiger, der etwas verloren neben seinem havarierten Luxusauto steht, ein Kommilitone von ihm ist, kann Reymond nicht ahnen, als er ihm anbietet, ihn in seiner Ente mitzunehmen.

Jean Paquelet, Jahrgang 1917, ist bei Beginn des 2. Weltkriegs einer der jüngsten Piloten der Marineflieger. Als die Deutschen Frankreich okkupieren, schließt er sich der Resistance an und beginnt ein Pharmaziestudium, das er vor Kriegsende abschließt. Als Armeepilot in der Offensive der Alliierten ist er an der Befreiung von Straßburg und einiger Konzentrationslager beteiligt. Nach 1945 zunächst als Apotheker tätig, beginnt er 1950 im Zweitstudium Medizin zu studieren, wobei er davon profitiert, dass ihm wegen seines Militärdienstes zahlreiche vorklinische Kurse erlassen werden. Parallel promoviert er in Pharmazie und Biologie. In Deutschlang legt er eine medizinische Doktorarbeit über die Anwendung von Organlysaten vor. Er arbeitete später bei Abderhalden in dessen Labor, lernte Grundlagen der Organtherapie bei Professor Cohn in Genf und Niehans in Deutschland und gründet schließlich ein eigenes biologisches Labor.

Als Eric Reymond, geboren 1930, Paquelet am Straßenrand aufsammelt und dabei den Grundstein für eine lebenslange Freundschaft legt, ist er wie Paquelet Erstsemester an der medizinischen Fakultät von Lyon. Später arbeitet er tagsüber in der Klinik Antiquaille und abends im Labor von Paquelet, bis er 1957 als Militärarzt nach Landau/Pfalz geht.

Der dritte der vier C.E.I.A.-Gründer, André Martin, wurde 1916 geboren, er war schon Klassenkamerad von Paquelet gewesen und hatte in den 30er Jahren Medizin studiert.

Paquelet, der geniale Kopf des Trios, war von der Organtherapie überzeugt, entwickelte aber zusammen mit dem noch jungen Reymond und dem erfahrenen Kollegen und Freund Martin eine eigene Methodologie. Reymond hatte sich nach seiner Rückkehr aus Deutschland mit Paquelet in einer Praxis niedergelassen und initiierte die Gründung einer Gesellschaft für Organtherapie, zu der auch Paul Nogier gehörte. Die Aktivitäten dieser Gesellschaft führten zu regelmäßigen Kontakten mit der Firma, die damals Dolisos hieß und heute den Namen Boiron trägt. Boiron ist das pharmazeutische Unternehmen in Frankreich, das Heilmittel aus dem komplementärmedizinischen Bereich herstellt. Dort trafen Paquelet, Martin und Reymond auf den Belgier Pol Henry und seine Gemmotherapie.

Pol Henry, Jahrgang 1918, hatte in den 40er Jahren in Brüssel Medizin studiert. Sein Interesse hatte zunächst der Homöopathie gegolten, bevor er sich der Phytotherapie zuwandte. Er entwickelte eine eigene therapeutische Methode, die Gemmotherapie, bei als der Heilmittel ausschließlich Pflanzengewebe im Stadium der Entwicklung eingesetzt werden. Seine ersten systematischen Untersuchungen zu diesen Heilmitteln bezogen sich vor allem auf die beiden Zellreihen der Leukozyten, nämlich Granulozyten und Lymphozyten. Gleichzeitig führte er systematische Experimente zur Organtherapie durch, wobei er zwar von den Grundlagen der Niehans- Methode profitierte, dabei jedoch eigene, mit Papain behandelte, Organlysate und Organ-Serumpräparate verwendete.

Versuchskaninchen

Bei diesen Experimenten wurden Kleintiere aus Carboniere/Lacenas und größere Tiere von einem Bauernhof in Chambon sur Lignon verwendet. Wie würden diese Präparate auf ein Profil von Serumparametern, Fraktionen der Elektrophorese und dreier damals üblicher Serumlabilitätstests (Takata, Cetavlon und Kupferacetat) der Tiere wirken? (Wegen der Labilität der Eiweiße verändern bestimmte biochemische Reagenzien deren räumliche Struktur so, dass sie ausflocken, wir sprechen von Flockulation.)

Aus dem drei- wurde ein vierblättriges Kleeblatt: die Ideen der vier theoriegeladenen Praktiker verschmolzen Anfang der 60er Jahre zu einer Methode. Damals hatte die Medizin gerade eine Vorstellung von der Prävention entwickelt, weil durch allgemeine Hygiene und Massenimpfungen Infektionskrankheiten erstmals in großem Stil verhindert werden konnten.Aber Krankheiten vorhersagen anhand objektiver biologischer Parameter und durch eine gezielte Behandlung verhindern? Präventive Therapie? War das nicht eine vermessene Vorstellung?!

Funktionelle Proteomik, ein paar Grundlagen

Man muss bedenken, dass das Genom, die gesamte Information des genetischen Materials eines Individuums, erst viel später vollständig entschlüsselt wurde. Die Proteine als biochemische Boten des Genoms waren in der Vielfalt ihrer Funktionen weitgehend eine black box.
Wilkens hat die Proteine in ihrer Gesamtheit in Anlehnung an das Genom 1974 „Proteom“ genannt. Bis dahin waren Proteine vor allem biochemische Funktionsträger: Proteine als komplexe räumliche Strukturen können Wasser binden und gehen in Lösung, man spricht von kolloidalen Systemen. Kolloidale Systeme sind ständigen Veränderungen unterworfen, ihr Ziel ist die Homöostase des Systems trotz veränderter Einflüsse von außen. Sie wird erreicht, indem die Proteine qualitativ und quantitativ verändert werden.
Die CEIA-Methode basiert auf dieser Beziehung zwischen den krankheitsbedingten Veränderungen im Organismus und der daraus folgenden Veränderung im kolloidalen System des Serums.

Diese Beziehung kann in 3 Schritten beschrieben werden:
Ausgangspunkt: Gesundheit = Homöostase
Folgestadium: Krankheit = Verlust der Homöostase
Rückkehr zum Ausgangspunkt: Heilung = Homöostase

Pol Henry hat als Parameter aus dem kolloidalen System des Serums die Fraktionen der Eiweißelektrophorese, alpha 1-, alpha2-, beta- und gamma-Globulin, und die Reagenzien Takata, Cetavlon und Kupferacetat verwendet.

Die Veränderung der optischen Dichte des Serums einer gesunden Person unterschied sich von der des Serums einer kranken, die optische Dichte ist also ein Maß für die Stabilität oder Instabilität des kolloidalen Systems im Serum und damit direkt mit den krankheitsbedingten Veränderungen im Organismus verbunden.

Pacquelet, Martin und Reymond definierten weitere Flockungsparameter. In den ersten Jahren der gemeinsamen Forschungsarbeiten wurde ein „Profil“ von Eiweißflockungsreaktionen, bilan CEIA oder bilan protéomique fonctionnel, entwickelt, das zunächst acht Basisparameter abbildete, zu Takata, Cetavlon, Kupferacetat traten Burstein, Kunkel Phenol, Jod, Kunkel Zink und Popper. Die Parameter trugen damit den Namen ihrer Reagenzien, das Prinzip wurde auch für die später hinzugekommenen weiteren 36 Parameter beibehalten. Schnell wurde auch deutlich, dass die qualitativen Eigenschaften der Serumproteine einen gemeinsamen genetischen Ursprung haben mussten: Die Profile eineiiger Zwillingen zeigten überwältigende Übereinstimmungen.

Zwei Seiten derselben Medaille

Die Methode hatte von Beginn an zwei Stoßrichtungen:

  1. Die diagnostische, wir sprechen heute von Biomedizin: die systematische Analyse der strukturellen Eigenschaften der bei den Flockungsreaktionen nachgewiesenen Parameter.
    Mit Hilfe der isoelektrischen Fokussierung wurden getrennt nach pH-Verhalten und Molekulargewicht vier Parametergruppen identifiziert (Glykoproteine, Lipoproteine, Immunglobuline und Breitbandtests), die durch immunhistochemische Färbeverfahren gekennzeichnet werden konnten.
    Mit diesen beiden labortechnischen Verfahren, der photometrischen Messung der
    veränderten optischen Dichte nach Ausflockung und der Analyse durch isoelektrischen Fokussierung mit anschließender Färbung, hat man eine in der Medizin einzigartige Messmethode, mit der man krankheitsbedingte feinstrukturelle Veränderung bis hin zu molekularen und molekularkinetischen Ebene erfassen kann.
  2. Gleichzeitig wurde die therapeutische Seite der CEIA-Methode entwickelt.
    Ziel war es, eine Heilmittelliste zur therapeutischen Entscheidungshilfe zu erstellen. Dabei waren nicht mehr die Symptome des Patienten für die Wahl des Therapeutikums entscheidend, sondern das Verhalten der optischen Dichte des Serums nach Ausfällung.
    Die Grundlagen hatte Pol Henry mit seinen Beobachtungen zur Gemmotherapie gelegt. Jetzt aber wurden alle im so genannten Dolisos-Katalog (Dolisos war das später zu Boiron gewordene Pharmaunternehmen) verfügbaren Heilmittel, eine große Zahl an Pflanzen, Mineralotherapeutika und ätherischen Ölen, systematisch mit den Parametern des Eiweiprofils untersucht, zunächst an Wildkaninchen, später mit groß angelegten Patientenbeobachtungen.

Vor Gabe des Heilmittels wurde ein erstes Profil erstellt (B1), dann folgte die definierte Fütterungs- bzw. Einnahmephase, die mit der Erstellung eines zweiten Profils (B2) endete. War B2 – B1 bei mehr als 100 Beobachtungen > 1 sigma, konnte von einer signifikanten Wirkung des Heilmittels auf den Parameter ausgegangen werden. Zu diesen Versuchen wurde eine Doktorarbeit an der Universität von Clermont vorgelegt.
Von rund 1.000 untersuchten Heilmitteln wurden etwa 800 in eine eigene Heilmittelliste von CEIA übernommen. Bedenkt man, dass die Computertechnologie noch in den Kinderschuhen steckte, ahnt man, was das bedeutete: die vier Gründer arbeiteten mit Lochkarteien und Stricknadeln, die Analyse erfolgte per Hand. Um dieser Datenmenge Herr zu werden, mussten alle ran, Familie, Freunde und vor allem begeisterte Anwender der Methode.

In diesen Pionierzeiten der CEIA- Methode wirkten viele Mediziner und andere Wissenschaftler mit, so zum Beispiel Hubert Nérot, Informatik-Ingenieur, der die graphische Darstellung der Messergebnisse als V-förmige Kurve vorschlug, Christian Trouilloux, bis heute verantwortlicher Informatiker bei CEIA France, der vorschlug, die histochemische Farbmarkierung auch als Kennung bei der graphischen Darstellung zu verwenden oder Francoise Lasne, die zur strukturellen Analyse der Fällungsprodukte die isoelektrische Fokussierung einführte. Herausragend blieb Jean Paquelet, der das Standardabweichungsmaß zu einem Vergleichskollektiv, damals noch revolutionär in der Medizin, als Berechnungsmodell für die therapeutische Aktivität von Heilmitteln auf kolloidale Veränderungen im Serum vorschlug.

Innerhalb kürzester Zeit sammelten sich enorme Datenmengen und damit die Möglichkeiten, daraus entscheidende Schlussfolgerungen zu schließen:

  • So haben die einzelnen Parameter entsprechend ihrer Gruppenzugehörigkeit ein typisches Verhalten im Krankheitsfall und unter therapeutischer Intervention.
  • Unter Kenntnis dieser parametertypischen Eigenschaften kann ein Profil eines Patienten auch im Sinne einer Voraussage interpretiert werden: Die Krankheitsentwicklung kann vermutet werden und, für Patienten von noch größerer Bedeutung, aus dem Heilmittelkatalog können Therapeutika eingesetzt werden, die diese Krankheitsentwicklung verhindern. Durch die Prädiktion entsteht eine personalisierte und spezifische Prävention!

Paquelet hat darüber hinaus zusammen mit André Martin ein Protokoll zur Herstellung von Organpräparaten in einem pharmazeutischen Labor eines mitarbeitenden Apothekers entwickelt. Diese Produkte wurden wie die Pflanzen, Mineralien und ätherischen Öle des Heilmittelkatalogs in die CEIA Methode integriert. Das therapeutische Arsenal wurde später erweitert durch die Entwicklung spezifischer Immuntherapeutika, sogenannter Antifraktionen. Die Herstellung der Organpräparate und Antifraktionen wurde später von Joaquin Roda in Valencia übernommen.

20 Jahre später: C.E.I.A. setzt über den Rhein

Die Geschichte von C.E.I.A. war vom ersten Tag an eine europäische Geschichte. Was in den 60er Jahren und bei Gründung 1971 eine noch visionäre Anmutung hat, in einem gerade erst zusammenwachsenden Europa mit einer Automatisierungstechnik in den Kinderschuhen, ist 20 Jahre danach gelebte, die Grenzen überspannende Realität. Vor allem André Martin und Eric Reymond hatten die Methode in ihrer praktischen ärztlichen Arbeit eingesetzt und in großer Zahl Fortbildungen in Frankreich durchgeführt. Ständig erweiterte sich der Kreis der Therapeuten, die zugleich immer auch Entwickler der Methode sein sollten – ein Ziel der vier Gründer war immer die aktive Einbindung der Anwender bei der weiteren Entwicklung der Methode und der Weiterbildung gewesen. Mit diesem Ziel hatte man früh die medizinische Gesellschaft für Proteomik (Société Médicale de Protéomique fonctionnelle) gegründet. Letztlich war es aber wie so oft ein wirtschaftlicher Mechanismus und die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Platz, die der Idee von der Rhone zum Sprung auf das rechte Rheinufer verhalf. Die Ausbreitung der Methode in Frankreich hatte schnell die Nachfrage nach Laborkapazität erhöht. Dem medizinischen Labor von Paquelet, das die CEIA Methode durchführte, folgte das Labor von Pierre Risse in Paris.

Risse, in Straßburg geboren, stellte die Methode dem Elsässer Apotheker Klaus-Peter Riedel und dem Arzt Gonthier Pelz vor, beide zweisprachig. Riedel führte die CEIA-Methode zunächst in Südwestdeutschland ein, die ersten Mediziner, die danach arbeiteten, waren Voss in Heidenheim, Krimmel in Lindau und Doerfler in Hamburg.

Pelz andererseits hatte gute Kontakte zu Ewald Fischer, Verleger des auf Komplementärmedizin spezialisierten Haug-Verlages und Mitbegründer der Medizinischen Woche Baden-Baden, der von der CEIA-Methode sofort fasziniert war. Nachdem Helmut Sauer Eric Reymond im September 1992 bei einem ersten Kurs in Chambon sur Lignon kennenlernte, konnte er schon 1993 CEIA Deutschland als Aussteller in Baden-Baden präsenterien.  Auf dieser zentralen Plattform der Komplementärmedizin konnten sich  Eric Reymond und Helmut Sauer intensiv austauschen. Hier hatten sich zwei gefunden, die nicht nur medizinisch dieselbe Sprache sprachen. Sauer, bis heute ein überregional bekannter und praktizierender Komplementärmediziner, stammt aus dem Saarland, seine guten Französisch-Kenntnisse erleichterten ihm den Zugang. Er schloss schnell Freundschaft auch mit Paquelet und Martin, in diesem engeren Kreis der europaweiten Anwender wurde eine erste systematische Dokumentation erstellt, die sogenannten Hypertexte, um die Erfahrungen aus der Anwendung der funktionellen Proteomik weiterzugeben. Sauer war dabei der erste Multiplikator in Deutschland, der nicht nur die CEIA-Methode in seine tägliche Praxisarbeit aufnahm und an der weiteren Entwicklung mitarbeitete, er führte ab Mai 1993 regelmäßig Fortbildungen zur Proteomik nach der CEIA Methode in Deutschland, aber auch auf Mallorca und in Montreal, Kanada, durch. Schließlich war es Helmut Sauer, der die IÄfP, unsere Ärztegesellschaft, in Wiesbaden gründete.

Fischers Haug-Verlag gab einige Zeit ein fünfsprachiges Journal „De Natura Rerum“ zur Methode heraus, das international große Anerkennung fand. Unter demselben Namen und mit Beteiligung namhafter Referenten wie Heine oder Canigueral wurden mehr als 20 Jahre internationale Kongresse unter anderem in Cannes, Paris, Brüssel, Valencia und zuletzt 2007 in Berlin veranstaltet.

Sauer veröffentlichte zahlreiche Skripte, Reymond einen Fernkurs, der in 5 Sprachen übersetzt und über das Internet abrufbar ist. Sabine Fischer, Tochter des Verlegers und inzwischen selbst erfahrene Internistin und Komplementärmedizinerin gab 2007 mit Sauer und dem belgischen Arzt Sus Herbosch ein, annähernd 150 Seiten umfassendes, Kurzlehrbuch „Funktionelle Proteomik“ heraus.

Centre Européen!

Die Internationalität von C.E.I.A. hatte zunächst einen deutlich romanischen Schwerpunkt: Joaquin Roda, der als Pharmazeut die Entwicklung und Herstellung der Organpräparate und Antifraktionen in Valencia übernommen hatte, war auch entscheidend für die Verbreitung der Methode in Spanien verantwortlich, so dass es dort seit Jahren einen festen Stamm von Anwendern gibt.

Inzwischen gibt es neben den ausführlich beschriebenen Erfolgen in Deutschland zum Beispiel seit Jahren in der Schweiz unter der Obhut von Roman Lietha einen wachsenden Anwenderkreis, ebenso in Italien. Die Kontakte in Übersee reichen nach Kanada, Südamerika, Asien, darunter zuletzt auch China.

Herausragend ist die Rolle Belgiens, nicht nur durch den Gründer Pol Henry, auch heute praktiziert mit Sus Herbosch einer der führenden Spezialisten in Brüssel. Herbosch, als Belgier ohnehin der Mehrsprachigkeit verpflichtet, hält im ganzen Verbreitungsgebiet der Methode Vorträge, die seine Arbeit und die Arbeit seiner Kollegen mit dem Verfahren dokumentieren: Patientenbeobachtungen zu Schwerpunktthemen der Medizin wie Krebserkrankungen, Erschöpfungssyndrom, Fettstoffwechselstörungen etc. Er war maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung der Typologie, hat Ausbildungsskripte in Europa vereinheitlicht und die Entwicklung der Elixiere möglich gemacht.

Dass das Zentrallabor von C.E.I.A. heute in Brüssel sitzt, ist wieder ebenso der gewollten Vollendung einer europäischen Vision wie der normativen Kraft des Faktischen geschuldet: Hatte es zunächst mehr als zwanzig weitere Labors in Frankreich, Deutschland, Holland, Belgien und der Schweiz gegeben, machte die massive Zugangsbeschränkung der Patienten zu komplementärmedizinischen und naturheilkundlichen Methoden durch den französischen Staat eine Konzentration der Laborkapazität außerhalb Frankreichs sinnvoll. Die wachsende wirtschaftliche und politische Bedeutung Europas, ließ Brüssel, die „Hauptstadt“ der Europäischen Union, eine in mehrfacher Hinsicht naheliegende Wahl werden. CEIA Lab mit Sitz in Brüssel wurde alleiniger Nachfolger aller Labors, der Informatiker Alain Reymond Geschäftsführer und Herbosch verantwortlicher Laborarzt.

C.E.I.A., quo vadis?

C.E.I.A. hat in 40 Jahren für 5.000 Ärztekunden in 22 Ländern mehr als 2 Millionen Eiweißprofile für mehr als 1,3 Millionen Patienten erstellt. Die Methode ist nach wie vor einzigartig in der Medizin, auch in der Komplementärmedizin: Die Veränderung der optischen Dichte im Serum als Folge einer Veränderung im kolloidalen System dient als biologischer Parameter zur Krankheitsaufdeckung, -beschreibung, – verfolgung und zur Krankheitsvorhersage.

Die Erkenntnisse zur Prädiktion aus der Methode bestätigten sich mit der Biomedizin, der neuen Wissenschaft der Proteomik, die die Zusammenhänge von Genom und Proteom in zahlreichen Einzelschritten nachweist. Damit aber sitzt die funktionelle Proteomik nach C.E.I.A. zunächst zwischen allen Stühlen. Ob sie auch eine Brücke zwischen diesen Stühlen bilden kann, werden die kommenden Jahre weisen.

Sie ist ein biomedizinisches Verfahren, das wissenschaftlichen Anforderungen nach Transparenz, Falsifizierbarkeit und Wiederholbarkeit genügt. Serumproben zum Beispiel, die im Abstand von wenigen Tagen beim selben Patienten gewonnen werden, bringen identische Eiweißprofile. Die Untersuchungen könnten jederzeit von jedem anderen Labor, das dieselben Reagenzien einsetzt, mit denselben Ergebnissen durchgeführt werden. Dennoch wurde die Methode zunächst von der „akademischen“ Medizin als zu ungenau und empirisch zu wenig beweisbar abgelehnt, oft nur deshalb, weil sie unter der Flagge der Komplementärmedizin lief. Es ist sicher auch nicht abwegig zu vermuten, dass die schnelle erfolgreiche Anwendung in der diagnostischen und therapeutischen
Praxis ohne den klassischen universitären Wissenschaftsbetrieb das Misstrauen mancher Wissenschaftler gegen die Methode vertieft hat.

Gleichzeitig ist der Anspruch der funktionellen Proteomik nach C.E.I.A., die Funktionalität des menschlichen Organismus ganzheitlich zu erfassen und sich nicht durch oftmals mehr verschleiernde als enthüllende Symptome leiten zu lassen, all denen verdächtig, die durch ein ganzes Studium auf eben diese Symptome getrimmt wurden.

Die Heilmittelliste umfasst ausschließlich eindeutig naturheilkundliche Therapeutika, aber wieder handelt es sich nicht um klassische Erfahrungsheilkunde: da für jedes der 800 Heilmittel ein eigenes Wirkprofil auf die Eiweiße des menschlichen Körpers besteht und diese Wirkprofile durch Millionen von Datensätzen abgesichert sind, kann man auch die Therapie getrost als nach wissenschaftlichen Kriterien gesichert bezeichnen.

Die offensichtliche Verwurzelung der Methode in der Biochemie und der Labormedizin, ja in der Humangenetik, ihre Komplexität (manche würden sagen: Kompliziertheit) führt zu einer gewissen Skepsis des einen oder anderen Naturheilkundlers. Nicht verschwiegen werden soll auch, dass sie immer mit dem (inzwischen nur noch vereinzelten) Widerstand ansonsten überzeugter Anwender kämpft, sich dem Computerzeitalter und seinen unbestrittenen Zumutungen zu öffnen.

Die Zukunft hat schon begonnen

Die funktionelle Proteomik kann durchaus als Grenzgänger zwischen den Fakultäten betrachtet werden. Aber auch hier wächst zusammen, was zusammen gehört. Der erste Schritt in die Zukunft der funktionellen Proteomik nach C.E.I.A. ist bereits getan: Seit einigen Monaten laufen die ersten kontrollierten Studien, darunter (Kurzbeschreibung von zwei Untersuchungen, Fragestellung, Ansatz, universitäre/schulmedizinische Partner). Dieser Weg wird konsequent weiter gegangen.

Fand die Aus- und Weiterbildung bis 2010 ausschließlich in Präsenzseminaren statt, setzt die in Kirchberg ansässige Internationale Ärztegesellschaft für funktionelle Proteomik (IÄfP) inzwischen auf blended learning, Neulinge können sich am heimischen Computer an einem Webinar beteiligen bevor sie entscheiden, ein Seminar zu besuchen, Anwender treffen sich zu Online-Meetings, um sich bei der Auswertung der Profile von den alten Hasen unterstützen zu lassen und per Internettelefonie über besonders komplizierte Fälle zu diskutieren, während alle Beteiligten über denselben Bildschirm Zugriff auf das jeweilige Profil haben.

Darüber hinaus arbeiten alle Beteiligten weltweit daran, die Methode über den zwar wachsenden aber immer noch relativ exklusiven Kreis ausgebildeter Therapeuten hinaus einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen als das, was sie ist: Ein verlässliches prädiktives Diagnoseinstrument, um Störungen der menschlichen Gesundheit aufzudecken, während die Organe noch schweigen. Eine gering belastende Therapie, um diese Störungen präventiv zu beheben. Ein in vierzig Jahren bewährtes Verfahren, um funktionelle chronische Beschwerden schlüssig und differenziert zu erklären. Eine hochwirksame personalisierte Therapie mit so potenten wie nebenwirkungsarmen Naturheilmitteln. Ein im eigentlichen Sinne des Wortes komplementärmedizinisches Verfahren.

Gleichzeitig muss der Anwender, gleich auf welcher Seite des Tisches, verstehen, dass dieses Verfahren eines nicht bietet: Wunderheilungen. Es setzt auf Seiten des Therapeuten den Willen voraus, sich in ein neues medizinisches Denken einzuarbeiten, sich mit den biochemischen Grundlagen, der ungewohnten Darstellung der Diagnose, den Naturheilmitteln auseinanderzusetzen (und in der Anwendung und der Fortbildung den Computer als Instrument zu akzeptieren). Auf Seiten des Patienten kommt die funktionelle Proteomik wie andere Verfahren nicht ohne Geduld, adherence und unter Umständen eine nachhaltige Umstellung des Lebensstils aus.

Mit der allgemeinen Verbreitung wird die funktionelle Proteomik nach C.E.I.A. anonymer werden, mit Stricknadel und Lochkarte wäre heute auch unter Einsatz aller Mitglieder der »C.E.I.A.-Familie« kein Fortschritt mehr zu erzielen. Und doch wird auch die zukünftige Entwicklung an Personen und Persönlichkeiten hängen. Wenn Sie also einen am Straßenrand gestrandeten Autofahrer sehen, fragen Sie ihn, ob Sie ihn mitnehmen können – es könnte Großes daraus entstehen.